Partikel Teil 2: Die Tigernuss

Sie kommen ursprünglich aus dem Mittelmeer-Raum und werden als Genuss- und Futtermittel seit Jahrhunderten auch nach Deutschland importiert: Tigernüsse.

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Für viele Karpfenangler sind sie die Alternative zum Boilie schlechthin und gelten an vielen Gewässern als echte Wunderwaffe. Und zwar nicht nur als Beifutter, sondern auch und vor allem als Hakenköder. Wo Tigernüsse herkommen, was sie dem Angler bieten, wie man sie als Köder verwendet und noch einiges mehr erfahrt ihr in Teil II der Serie über Partikel-Köder.

Herkunft

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Die Tigernuss (lat.: Cyperus esculentus), im deutschen Sprachgebrauch auch als Erdmandel bekannt, entstammt ursprünglich dem Mittelmeer-Raum. Kultiviert wurde und wird sie vor allem in Spanien und in Afrika, aber auch in Ostindien und Brasilien. Nach Europa gelangte sie durch die Araber im 8. Jahrhundert n. Chr. Insbesondere die Gegend um Valencia in Spanien gilt als europäisches Anbaugebiet der „chufa“, wo die süße Tigernussmilch sich unter dem Namen „horchata de chufa“ als Getränk etabliert hat.

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Charakteristisch für die Tigernuss-Pflanze sind ihre satten, buschigen Halme. Am besten gedeiht sie auf sandig-lehmigem Boden. © Tamorlan (Wikipedia.de)

Merkmale

Die Tigernuss-Frucht ist der essbare Teil der Wurzel der Tigernuss-Pflanze, deren Geschmack stark an Haselnüsse oder Mandeln erinnert. Frisch geerntet besitzt sie eine recht glatte Oberfläche, ist weich und lässt sich relativ leicht zerkauen. Um besser und vor allem länger gelagert werden zu können, wird sie in der Regel getrocknet, wodurch sie sehr hart und schrumpelig wird. Legt man sie schließlich für ein paar Stunden in Wasser ein, nimmt sie dieses auf und wird wieder weich und verwertbar.

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Getrocknet sind Tigernüsse steinhart und besitzen eine schrumpelige Haut. © Tamorlan (Wikipedia.de)

Tigernüsse gibt es in verschiedenen Größen und Farben. Von Mini-Nüssen mit bis zu 8 mm Durchmesser bis hin zu Jumbo-Nüssen mit über 2 cm Durchmesser existieren zahlreiche Varianten. Normalerweise erstrahlen sie in einem satten goldgelb, jedoch gibt es auch hellere und dunklere, sogar schwarze Tigernüsse. Oft wird auch ein Mix aus verschiedenen Größen angeboten, der meist sogar sehr günstig ist, da keine Kosten zur Sortierung der Nüsse anfallen.

Tigernüsse sind vollgestopft mit wertvollen Nährstoffen und dementsprechend nicht nur für Karpfen gesund. Sie bestehen zu mehr als 25 % aus Fett, aus etwa 30 % Stärke und zu 7 % aus Eiweiß. Zudem enthalten sie einen hohen Anteil an ungesättigten Fettsäuren wie Linolsäure, Vitamin H und Rutin. Tigernüsse sind zwar deutlich proteinärmer als andere Nüsse und auch der Anteil an Spurenelementen wie Zink und Eisen ist niedriger als bei richtigen Nüssen. Dafür liefern sie viele Mineralstoffe, vor allem Calcium, Magnesium, Natrium und Phosphor.

Interessant für Karpfenangler dürfte die Tatsache sein, dass Tigernüsse die Verdauung anregen und somit die Darmdurchlaufzeit verringern. Das bedeutet: Wenn euer Futterplatz (neben Boilies) mit Tigernüssen präpariert ist, werden die Karpfen das aufgenommene Futter schneller wieder ausscheiden, mehr fressen und somit mit einer viel höheren Wahrscheinlichkeit schneller auf euren Hakenköder treffen. Und das bedeutet mehr Fisch – ein klarer Vorteil.

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Tigernüsse gelten in der arabischen Welt schon seit tausenden von Jahren als wichtige Frucht und Handelsware. © Tamorlan (Wikipedia.de)

Verwendung beim Karpfenangeln

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Wie bereits geschrieben, gehört die Tigernuss seit Jahrzehnten zu den Top-Ködern für Karpfen und ist für mich eine klare Alternative zum Boilie. Hauptgrund dafür ist nicht nur der geringere Anschaffungspreis von Tigernüssen, sondern auch die Tatsache, dass diese den Boilies in vielerlei Hinsicht überlegen sind.

Härte: während Boilies sich mit Wasser vollsaugen und somit immer weicher werden bleiben Tigernüsse  hart. Ich habe auf meinem Balkon seit 18 Monaten ein Fass voller gekochter Partikel stehen – die Tigernüsse sind immer noch knackig und haben eine feste Konsistenz – wie am ersten Tag!
Einen weiteren Vorteil, der sich durch die Härte ergibt, kann die Tigernuss in Gewässern ausspielen, in denen es Krebse gibt. Krebse bearbeiten einen Boilie oft so lange, bis kaum noch etwas oder nichts mehr davon übrig ist. Das Resultat: man fischt, ohne es zu wissen, mit einem leeren Haar – Fangchancen gleich Null. Tigernüsse hingegen können nicht so leicht abgenagt werden, weshalb sich ihr Einsatz in solchen Gewässern richtig lohnt. Aber auch in allen anderen Gewässern ist es gut, zusätzlich zum Boilie noch eine Tigernuss mit aufs Haar zu ziehen. Somit kann man sich sicher sein dass man, sollte der Boilie vom Haar fallen, immer noch einen fängigen Köder im Einsatz hat.

Farbe: Tigernüsse sind durch ihre goldgelbe Farbe meistens deutlich heller als der Gewässergrund. Somit üben sie einen optischen Reiz auf Karpfen aus, die sie dann oft schon aus purer Neugier aufnehmen und dadurch gefangen werden können. Schält man die Tigernüsse, kann man diesen Effekt noch verstärken, da sich unter der Schale das weiße Fruchtfleisch verbirgt.

Geschmack/Geruch: Tigernüsse ziehen Karpfen nicht nur aufgrund ihrer Farbe magisch an, sondern auch durch ihren süßen Geschmack und Geruch. Dieser verbreitet sich im Wasser schnell und lenkt die Aufmerksamkeit der Karpfen auf den Angelplatz. Insbesondere, wenn die Tigernüsse schon einige Tage, Wochen oder Monate im Wasser stehen, spielen sie hier wortwörtlich ihre volle Stärke aus. Denn die Stärke, die sich in den Nüssen befindet, wird beim Kochen und gären in ihre einzelnen chemischen Bestandteile zersetzt. Und die wirken wie ein wahrer Fischmagnet.

Lagerung

Ein zentraler Punkt beim Kauf von Tigernüssen ist deren Lagerung. Hier gilt es zu beachten, die Tigernüsse immer kühl (am besten 5-10°C), trocken und dunkel zu lagern. So sind sie problemlos bis zu 15 Monate haltbar. Am besten eignen sich also trockene, dunkle Keller- oder Abstellräume, jedoch nicht der Heizungskeller, da es dort meist zu warm ist. Wenn sie ganz sicher gehen wollen, dann bewahren sie die Tigernüsse in luftdicht verschlossenen Eimern oder Fässern auf.

Wichtig ist außerdem, die Tigernüsse bestmöglich vor Schädlingen wie Nagetieren und Motten zu schützen. Dazu lagere ich die Tigernüsse auf einem hohen Regal, noch besser eignen sich hier jedoch fest verschließbare Gefäße, wie zum Beispiel Maischefässer oder Eimer. Sollten die Tigers dennoch von Schädlingen befallen werden, sollte man schnell handeln. Ist der Befall frisch ist es das beste, sie zuzubereiten. Durch das Kochen werden die Eier und Larven zerstört. Man muss die Tigers also nicht zwingend wegwerfen, da die Larven wiederum wertvolles tierisches Eiweiß liefern und dem Karpfen somit zugute kommen. Ist der Befall nicht mehr frisch und die Tigernüsse bereits mit den Ausscheidungen der Maden verunreinigt, sollte man sie jedoch lieber wegwerfen.

Fertig zubereitete Tigernüsse sollte man – genau wie alle anderen Partikel – am besten im eigenen Sud lagern. Dort gären sie nach und werden umso fängiger. Dabei ist zu beachten, dass sie stets mit Sud bedeckt sind, da sich auf der Wasseroberfläche oftmals Schimmel bildet, welcher jedoch auf diese Weise die Tigernüsse nicht erreicht. Sollten die Nüsse direkt von Schimmel befallen sein, ist es besser sie nicht mehr zu verwenden.

Zubereitung

Die Zubereitung von Tigernüssen gleicht im Großen und Ganzen der Zubereitung anderer Partikelsorten und ist relativ einfach. Man lässt die Tigers am besten 12 bis 24 Stunden in einem Gefäß mit Wasser aufquellen und kocht sie anschließend für mindestens 45 Minuten. Ich verwende dazu einen großen Gaskocher mit einer Leistung von 2,5 Kilowatt und einen emaillierten Einkochtopf. Alternativ eignen sich auch Einkochautomaten und jegliche anderen feuerfesten Gefäße.

Um die gekochten Tigernüsse noch attraktiver zu gestalten, geben Sie sie in einen Eimer und füllen ihn mit Wasser, bis alle Partikel vollständig bedeckt sind. jetzt sind sie verwendbar und bringen Fisch. Die Fängigkeit kann man jedoch weiter steigern, wenn man die Tigers an einem warmen Ort stehen lässt. Sobald sich ein zäher Schleim gebildet hat, sind die Nüsse für Karpfen unwiderstehlich.

Während des Kochens kann man zusätzlich Zucker hinzugeben, um die Schleimbildung zu unterstützen. Außerdem können die Tigernüsse durch die Zugabe von Lebensmittelfarbe bunt eingefärbt werden, was die optische Lockwirkung verstärken kann.

Achtung: Die zubereiteten Tigers immer mit genug Wasser bedeckt lassen, da die oberen Nüsse sonst zu schimmeln beginnen.

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So bereite ich meine Tigernüsse zu: in einem 15-Liter Einkochtopf auf einem Gas-Hockerkocher. Kostenpunkt: ca. 40 €.

Andere Tigernuss-Produkte

Aus Tigernüssen kann eine Vielzahl für das Angeln interessanter Produkte hergestellt werden, von denen ich Einige kurz vorstellen möchte. Auch wir Angler selbst können von den Eigenschaften dieser Knollen profitieren!

Tigernussflocken werden beim Menschen im Fall von Darmträgheit oder auch als Diätnahrung genutzt, da das Hungergefühl durch die Ballaststoffe unterdrückt wird. Aber auch bei Karpfen sollten sie eine leicht abführende Wirkung haben. Wieso nicht einfach einige Tigernuss-Flakes zum Stickmix geben?

Tigernussmehl ist ideal für die Ernährung von Personen mit Glutenallergie sowie für Diabetiker. Außerdem ist es zur Zubereitung von Gebäck jeder Art sowie für Süßspeisen geeignet. Da Karpfen im Grunde genommen auch Diabetiker sind, werden sie eure Tigers mit Sicherheit dankbar annehmen.

Tigernussöl eignet sich bestens zur Verfeinerung von Salaten, zum Kochen, Backen und Frittieren. Durch seinen hohen Anteil an Antioxidantien wird es außerdem bei der Herstellung von Naturkosmetika eingesetzt. Es ähnelt in seiner Konsistenz stark dem Olivenöl und enthält viele ungesättigte Fettsäuren. Doch auch beim Karpfenangeln lässt sich Tigernussöl als Dip, als Liquid oder als Zugabe im Boilie- oder Stickmix hervorragend einsetzen. Lediglich im kalten Wasser sollte man darauf verzichten, da sich das Öl dann nicht sonderlich gut verteilt.

Tigernuss-Sirup ist extrem süß und wird in Spanien unter anderem als Nahrung für Kleinkinder eingesetzt. Auf Karpfen wirken durch die hohe Konzentration bereits kleine Mengen extrem anziehend. Dieser Sirup lässt sich ebenfalls hervorragend als Dip, als Soak für Futter-Boilies oder als Zugabe zum Stickmix oder Groundbait einsetzen und verbreitet unter Wasser eine verführerische Duftwolke, welche die Karpfen magisch anzieht.

Tigernüsse werden aber nicht (nur) als Futter- und Nahrungsmittel, sondern auch zur Wiederaufbereitung belasteter Böden eingesetzt. Als „Hyperakkumulator“ von Schwermetallen nimmt die Tigernuss-Pflanze zum Beispiel Blei und Cadmium in hoher Konzentration auf und speichert diese. So lassen sich verseuchte Böden wieder bewirtschaftbar machen.

Bezugsquellen & Preise

Tigernüsse kann man an vielen Orten kaufen. In vielen Angelläden gibt es sie, aber am leichtesten findet man sie im Internet. In zahlreichen Webshops, aber auch bei Amazon und Ebay findet man oft echte Schnäppchen. Es ist jedoch Vorsicht geboten: Man sollte sich durch vermeintliche Schnäppchen-Preise nicht zum voreiligen Kauf verleiten lassen. Oft handelt es sich um alte, lang gelagerte oder sogar faule Tigernüsse. Diese bilden kaum noch Schleim und sind somit frischen Nüssen klar unterlegen.Außerdem geht man Gefahr., sich Schädlinge ins Futterlager zu holen – das ist unbedingt vermeidbar und daher zahle ich gerne ein paar Cent mehr pro Kilo.

Die Preise für Tigernüsse schwanken zwischen ca. 2 bis 3 Euro pro Kilo. Teurere Tigernüsse kaufe ich nicht, da der Preis meist nicht gerechtfertigt ist. Eine Ausnahme bilden jedoch Sonderformen wie die besonders großen Jumbo-Tigernüsse oder die „Black Tigers“, die einen höheren Fettgehalt besitzen.

Generell gilt: Wer größere Mengen kauft, zahlt einen niedrigeren Kilopreis. Wir kennen das schon von den Boilies. Verglichen mit Boilies sind Tigernüsse natürlich deutlich günstiger, fangen aber vergleichbar gut.

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Hier gehts direkt zum Shop.

Ich persönlich habe die besten Erfahrungen mit den Tigernüssen von Common Baits gemacht. Common Baits ist einer der größten Tigernuss-Importeure Deutschlands und daher für mich die erste Adresse, wenn es um Tigers geht.  Dort bekomme ich meine Tigers immer frisch. Es gibt dort eine sehr große Auswahl an verschiedenen Sorten zu sehr fairen Preisen. Ich bestelle dort schon seit einigen Jahren und bin bisher ein sehr zufriedener Kunde. Firmeninhaber Christian Schellhammer hat auch immer ein offenes Ohr für individuelle Wünsche und Anregungen, was ich sehr schätze.

Erreichbar ist der Shop unter www.common-baits.de und auf Ebay.

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